Die Standards für die Industrie 4.0

Eine Automatisierung durch Computer hat in der industriellen Produktion schon lange Einzug gehalten – nun geht es langsam, aber sicher ein Stück weiter. Wir sprechen von Smart Factorys, Cloud Computing und dem Internet of Things: der Industrie 4.0.

Eine zunehmende Digitalisierung und intelligente Vernetzung von Maschinen spart Zeit und Ressourcen und eröffnet neue Möglichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Um eine informationsgesteuerte Produktion zu ermöglichen, also Informationen maschinenlesbar und austauschbar zu machen, müssen Standards etabliert werden. Sie helfen bei der Beschreibung von Produkten und ebnen damit den Weg zur intelligenten Informationsbereitstellung. Für die Technische Kommunikation sind die Standards ECLASS, VDI 2770 und iiRDS von Relevanz. Wir möchten etwas Klarheit schaffen: Wie unterscheiden sich diese Standards voneinander und wo spielen sie zusammen?

Standards in der Technischen Dokumentation

Der ECLASS Standard

ECLASS ist ein hersteller- und branchenübergreifender Datenstandard mit ISO-konformen Merkmalen, der bereits vor 20 Jahren vom gleichnamigen Verein großer deutscher Industrieunternehmen entwickelt wurde. Der ECLASS Standard klassifiziert Produkte und Dienstleistungen in 4 Hierarchieebenen. Sie bestehen aus Klassen, Schlagworten, Merkmalen, Werten und Einheiten. Damit werden alle Produkte und Dienstleistungen eindeutig beschrieben. Mit den standardisierten Stammdaten können Prozesse im Datenmanagement, Controlling und Vertrieb effizienter und effektiver gestaltet werden. Die Daten können intelligent bereitgestellt und digital ausgetauscht werden und somit entlang der Wertschöpfungskette Mehrwerte liefern.
ECLASS beschreibt Produkte und Dienstleistungen und nicht deren Dokumentationen, wie das bei den Standards iiRDS und VDI 2770 der Fall ist. ECLASS kann jedoch im VDI 2207 für die Objektreferenzierung mit IRDIs verwendet werden und auch ein Zusammenspiel zwischen ECLASS und iiRDS ist möglich und sinnvoll. Dazu später mehr.

VDI 2770 Standard

Der VDI e.V. (Verein deutscher Ingenieure) entwickelt industrieübergreifende technische Richtlinien. Der Standard VDI 2770 Blatt 1 (Betrieb verfahrenstechnischer Anlagen – Mindestanforderungen an digitale Herstellerinformationen für die Prozessindustrie – Grundlagen) beschreibt die standardisierte Beschaffenheit von digitalen Herstellerinformationen. Es werden Klassifikation, Aufbau, Metadaten und Dateiformate von Informationen festgelegt und diese damit strukturiert und standardisiert bereitgestellt. Somit soll der Standard vor allem Prozessabläufe bei der Ausgabe von Informationen vereinfachen – auf dere Seite der Hersteller, Betreiber und Nutzer. Neben internen Informationen können auch Zulieferdokumente integriert werden.
Dokumente werden klassifiziert, d.h. in Gruppen und Kategorien eingeteilt und als PDF gespeichert. Zusätzlich wird ein XML-Dokument mit Metadaten angelegt und dann beides in einem ZIP-Container gespeichert. Der VDI 2270 Standard beschreibt in einem Paket vollständige Dokumente.

iiRDS – intelligent information Request and Delivery Standard

iiRDS steht für intelligent information Request and Delivery Standard, der eine plattformunabhängige und inhaltsneutrale Abfrage und Auslieferung von digitalen Informationen ermöglicht. Der Standard beruht auf einem modularen Aufbau von Informationen und Metadaten, die diese Informationen näher beschreiben und verknüpfen. iiRDS besteht im Grunde aus drei Bestandteilen – aus einem Paketformat, das den Austausch zwischen verschiedenen Content Systemen erlaubt, aus einem Metadatenmodell, das die Informationen klassifiziert und kombinierbar macht, und aus der Spezifikation, die Paketformat und Metadatenkonzept beschreibt. Mit iiRDS werden keine Inhalte standardisiert, sondern lediglich das Auslieferungsformat definiert, damit Informationen verschiedener Systeme zusammengeführt werden können. Konkret bedeutet dies, dass Informationen aus verschiedenen CMS mit iiRDS standardisiert werden und über ein zentrales Content Delivery Portal bereitgestellt werden können. iiRDS wurde bereits 2016 von einer Expertengruppe der tekom (Gesellschaft für Technische Kommunikation e.V.) entwickelt, um die Informationsbereitstellung in der Technischen Kommunikation grundlegend zu ändern. Mehr zum iiRDS hier.

Zusammenspiel der Standards

iiRDS und VDI 2270 haben sich zunächst parallel getrennt voneinander entwickelt. Beide Standards ermöglichen die Bereitstellung und den digitalen Austausch von Technischer Dokumentation. Jedoch bewegt sich der VDI Standard vor allem in der Prozessindustrie und beschreibt ganze Dokumente der Technischen Dokumentation. iiRDS bietet ebenfalls ein Metadatenkonzept, beschriebt aber in einem Paket normalerweise kein ganzes Dokument, sondern einzelne Topics, also kleinere Informationseinheiten, die modular zusammengestellt werden können.

Der iiRDS soll kein isolierter Standard sein, sondern eine Brücke zwischen den Standards schlagen. Daher haben sich das iiRDS Konsortium und der VDI zur Zusammenarbeit entschieden und die Standards entsprechend angepasst, damit sie sich besser ergänzen und kompatibel sind. Die neueste Version von iiRDS erlaubt es zum Beispiel verschachtelte Pakete zu erzeugen: Hybrid-Paket aus iiRDS und VDI 2770.

Seit 2020 gibt es eine Kooperation zwischen dem ECLASS e.V. und dem iiRDS Konsortium, um beide Standards zu beschreiben, abzugrenzen und gemeinsame Potentiale herauszustellen. So sollen Kernmetadaten von iiRDS in ECLASS integriert werden.
ECLASS beschreibt Daten zu Produkten, nicht deren Dokumentation. iiRDS ist für die Technische Dokumentation gedacht. Durch die offene Beschaffenheit des Standards kann iiRDS die Metadaten, die Produkte klassifizieren, mit der Dokumentation verknüpfen und als Einheit zusammenzubringen.

Was bringt die Zukunft?

Sicher ist: die fortschreitende Digitalisierung wird die intelligente Informationsbereitstellung und Nutzung unabdingbar machen. Dafür sind Metadaten, übergreifende Modelle und einheitliche Formate notwendig, die es erlauben, Informationen aus unterschiedlichen Systemen abrufbar zu machen und semantische Zusammenhänge zu schließen. Wie sich die Standards entwickeln und weiter verschmelzen wird die Zukunft zeigen.

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Einfach erklärt: Was bedeutet PIM?

PIM bedeutet zunächst Produktinformationsmanagement und beinhaltet die Verwaltung und Pflege von Produktinformationen. In einem PIM-System werden alle relevanten Produktdaten zentral verwaltet und medienneutral gespeichert oder referenziert, um die Daten für verschiedene Ausgabekanäle verfügbar zu machen.

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Ihr Ansprechpartner

Karsten Becke
Geschäftsführer