SAP & Reltio: Was die Übernahme für Daten, KI und Knowledge Graphs bedeutet

Karsten Schrempp von PANTOPIX spricht über die Übernahme von Reltio durch SAP

17. August 2026

Mit der Übernahme von Reltio stärkt SAP seine Kompetenzen rund um die Harmonisierung und Vernetzung von Unternehmensdaten. Für PANTOPIX ist dieser Schritt besonders interessant, denn semantische Technologien, Knowledge Graphs und die intelligente Verknüpfung von Informationen gehören seit Jahren zu unserem Tätigkeitsfeld.

Im Interview ordnet Karsten Schrempp, Geschäftsführer von PANTOPIX, die Übernahme ein. Er erklärt, wo sich SAP, Reltio und PANTOPIX ergänzen, wie sich ein „Golden Record“ von einer semantisch vernetzten Wissensbasis unterscheidet und welche Rolle PANTOPIX SPHERE künftig im Zusammenspiel von Stammdaten, technischem Produktwissen und KI spielen kann.

SAP hat im Mai 2026 die Übernahme von Reltio abgeschlossen. Warum ist diese Nachricht aus deiner Sicht mehr als nur eine weitere Akquisition? Und was bedeutet die Reltio-Übernahme für PANTOPIX?

Karsten Schrempp: „Für uns ist vor allem spannend, dass SAP mit Reltio auf Technologien setzt, mit denen wir uns bei PANTOPIX schon seit Jahren beschäftigen: semantische Technologien, Knowledge Graphs zusammen mit KI. Damit bekommt ein Thema deutlich mehr Aufmerksamkeit, das wir für zentral halten und das wir mit unserer semantischen Plattform PANTOPIX SPHERE bereits praktisch umsetzen.

Für PANTOPIX ist die Übernahme deshalb eine sehr positive Entwicklung. Und sie hat auch einen ganz praktischen Vorteil: Wenn Daten durch Reltio bereits harmonisiert sind, müssen wir uns in unseren Projekten weniger mit schlechter Datenqualität beschäftigen und können schneller an die eigentliche semantische Vernetzung gehen.“

Wo ergänzen sich SAP, Reltio und PANTOPIX und warum konkurrieren die Lösungen nicht miteinander?

Karsten Schrempp: „Wir bewegen uns in unterschiedlichen Bereichen. Reltio harmonisiert Stammdaten und schafft damit eine verlässlichere Datenbasis. PANTOPIX beschäftigt sich als Beratungsunternehmen in seinen Projekten vor allem mit Produktwissen und technischen Informationen, also mit der Frage, wie diese Informationen aus unterschiedlichen Systemen dynamisch miteinander verbunden und nutzbar gemacht werden können. Die Verbindung von SAP und Reltio empfinden wir deshalb nicht als Konkurrenzsituation, sondern eher als eine vorgelagerte Ergänzung.

Reltio spricht vom Golden Record, einem verlässlichen Stammdatensatz. PANTOPIX SPHERE versteht sich als zentrale Wissensbasis, also eine Single Source of Truth. Auf den ersten Blick klingt das ähnlich. Wo liegt der Unterschied?

Karsten Schrempp: „Der entscheidende Unterschied liegt darin, worauf sich diese ‚Wahrheit‘ bezieht. Reltio strebt mit dem Golden Record einen verlässlichen Stammdatensatz, also Klarheit darüber, welcher Kunden-, Lieferanten- oder andere Stammdatensatz der richtige ist. PANTOPIX SPHERE geht darüber hinaus. Bei uns steht nicht der einzelne Datensatz im Mittelpunkt, sondern das Wissen über die Zusammenhänge: Welche Varianten und Konfigurationen gibt es? Welche technischen Informationen gehören dazu? Wie hängen diese Informationen miteinander zusammen?

Gerade bei komplexen und konfigurierbaren Produkten reicht deshalb ein Golden Record nicht aus. Vielmehr müssen die verknüpften Informationen Bestandteil der zentralen Wissensbasis werden.“

Welche Rolle wird PANTOPIX SPHERE in einer zukünftigen Enterprise-Architektur spielen, in der SAP, Reltio, KI und semantische Wissensgraphen zusammenspielen?

Karsten Schrempp: „PANTOPIX SPHERE ist eine verbindende Wissensschicht zwischen unterschiedlichen Systemen und Informationsdomänen. Zukünftig können wir also beispielsweise harmonisierte Daten aus der SAP-Welt aufgreifen und mit technischen Informationen verbinden, die aus anderen Quellen kommen, etwa Dokumentation, Angebotstexte oder Condition-Monitoring-Daten.
Darin liegt für mich die Stärke dieser Architektur: SAP und Reltio sorgen für verlässliche Stammdaten, PANTOPIX SPHERE ergänzt den technischen Wissenskontext und stellt dieses vernetzte Wissen für Anwendungen und KI bereit. So entsteht kein Konkurrenzverhältnis, sondern eine Symbiose der unterschiedlichen Systeme.“

Zum Abschluss: Was rätst du SAP-Kunden, die ihre Daten- und Wissensarchitektur heute zukunftssicher aufstellen wollen?

Karsten Schrempp: „Mein Rat ist seit Langem derselbe: zuerst die Datenbasis in Ordnung bringen und dann konsequent auf semantische Technologien und KI setzen. Gerade für KI und KI-Agenten ist entscheidend, dass Informationen nicht nur vorhanden, sondern konsistent, strukturiert und verlässlich miteinander verknüpft sind. Wenn Reltio das Versprechen einer harmonisierten Datenbasis einlöst, ist das für SAP-Kunden ein guter Ausgangspunkt. Darauf kann man dann eine Wissensarchitektur aufbauen, die Informationen gezielt und zuverlässig für Menschen und KI-Systeme nutzbar macht.“
Foto Karsten Schrempp PANTOPIX

Karsten Schrempp

Managing Director | PANTOPIX

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