12. Juni 2024
Ein PIM-System mit Knowledge Graph bietet einen neuen Ansatz, um Produktinformationen effizient zu erstellen, zu verwalten und kanalübergreifend bereitzustellen. Klassische PIM-Systeme stoßen dabei zunehmend an ihre Grenzen: Die wachsende Komplexität von Produktportfolios, heterogene Datenquellen und fehlende Integration erschweren eine konsistente Datenhaltung erheblich.
Hinzu kommt die steigende Anforderung, eigene Produkte mit Wettbewerbsangeboten zu vergleichen, um fundierte Markt- und Portfolioentscheidungen zu treffen. Ohne eine zentrale, vernetzte Datenbasis führen inkonsistente Datenqualität und manuelle Prozesse zu Ineffizienzen – insbesondere für Vertriebsmanager, die auf aktuelle und vollständige Produktinformationen angewiesen sind.
Ein PIM-System mit Knowledge Graph adressiert genau diese Herausforderungen, indem es Daten aus unterschiedlichen Quellen integriert, in Beziehung setzt und in einer konsistenten, semantisch vernetzten Struktur bereitstellt. Dadurch entsteht die Grundlage für effizientere Prozesse, bessere Analysen und fundiertere Entscheidungen.
Business Use Case: Produktnavigator für Vertriebsmanager
Vertriebsmanager stehen oft vor der schwierigen Aufgabe, Produktangebotsinformationen aus verschiedenen Quellen zu sammeln – ein zeitaufwändiger und fehleranfälliger Prozess. Neben der Navigation durch interne Datenquellen haben sie die Verantwortung, die Produktangebote von Wettbewerbern auf verschiedenen externen Websites manuell zu verfolgen. Diese Komplexität erschwert das schnelle Auffinden von Informationen und wirkt sich negativ auf starke Kundenbeziehungen und Wettbewerbsfähigkeit aus. Um diesen Problemen zu begegnen, verwenden wir als Herzstück des PIM-Systems einen Wissensgraphen. Er integriert Produktinformationen aus verschiedenen Datensilos, die in einer einheitlichen Struktur an einem zentralen Ort dargestellt sind. Der Produktnavigator dient damit als maßgeschneiderter Zugangspunkt zum Wissensgraphen, der den spezifischen Bedürfnissen der Vertriebsmanager gerecht wird.
Systemarchitektur eines PIM-Systems mit Knowledge Graph
Die PIM-Systemarchitektur besteht aus vier Hauptschichten und umfasst Datenquellen, Datenübernahme, Middleware und das Content Delivery.
Datenquellen
Wir unterscheiden zwischen strukturierten und unstrukturierten Daten. Unstrukturierte Daten umfassen technische Dokumente und Websites von Wettbewerbern. Diese werden verwendet, um spezifische Produktdetails und Beschreibungen zu extrahieren, die als RDF im Wissensgraphen gespeichert werden. Strukturierte Daten bestehen aus Produktdatenblättern und relationalen Datenquellen, die vordefinierte Attribute für Produkteigenschaften wie Effizienz und Bewertung enthalten.
Datenübernahme
In der Datenübernahmeschicht werden kontinuierlich Produktdaten von Wettbewerbern extrahiert und im PIM-Wissensgraphen gespeichert. Dies umfasst das Crawlen, Klassifizieren, Extrahieren von Daten und die RDF-Generierung von Dokumenten. Wir durchsuchen die Websites von Wettbewerbern, um technische Produktdokumente zu sammeln. Relevante Informationen werden mit einem trainierten OCR-Modell extrahiert. Strukturierte Daten aus relationalen Datenbanken werden transformiert und in den Wissensgraphen integriert. Diese Pipeline arbeitet automatisch und beinhaltet die Datenvalidierung.
Middleware
Der Ontologie- und Taxonomie-Manager pflegt die PIM-Ontologien und Taxonomien. Die relationale Datenbank speichert operative Daten wie Zugriffs- und Kontrolllisten. Der Wissensgraph speichert alle RDF-Daten in miteinander verbundenen Graphen, was die Effizienz von RDF-Abfragen erhöht. Der API-Server definiert eine Reihe von API-Aufrufen, die von der Content-Delivery-Schicht für verschiedene Anwendungen, einschließlich der Produktnavigator-Webanwendung, verwendet werden.
Content Delivery
Die Content-Delivery-Schicht ist dafür verantwortlich, die integrierten und verarbeiteten Daten den Endbenutzern bereitzustellen. Sie umfasst Webschnittstellen, mobile Anwendungen und die Integration mit anderen Unternehmenssystemen. Diese Schicht stellt sicher, dass die richtigen Daten zur richtigen Zeit für die richtigen Personen zugänglich sind und bietet eine nahtlose Benutzererfahrung. Sie unterstützt fortschrittliche Such- und Visualisierungstools, die es Vertriebsmanagern und anderen Benutzern ermöglichen, auf die konsolidierten Produktinformationen einfach zuzugreifen und diese für Entscheidungsfindung und strategische Planung zu nutzen.
Vorteile von PIM-Systeme mit Knowledge Graph
- Datenintegration: Wissensgraphen ermöglichen die Integration und Konsolidierung von Produktinformationen aus verschiedenen Datenquellen und -silos. Dies sorgt für eine einheitliche und zentrale Datenbasis, die Inkonsistenzen minimiert und die Datenqualität verbessert.
- Flexibilität und Skalierbarkeit: Die flexible Struktur von Wissensgraphen erlaubt es, neue Datenquellen und Produktattribute leicht hinzuzufügen und zu verwalten. Dies ist besonders wichtig in dynamischen Märkten, wo Produktportfolios und Anforderungen schnell wechseln können.
- Erweiterte Abfragemöglichkeiten: Wissensgraphen unterstützen komplexe Abfragen und Analysen, die über einfache Datenabrufe hinausgehen. Vertriebsmanager können z.B. detaillierte Vergleiche von Produkteigenschaften und Marktsegmenten durchführen, was zu fundierteren Entscheidungen führt.
- Automatisierung und Effizienzsteigerung: Durch die zentrale Verwaltung und automatische Aktualisierung von Produktinformationen werden manuelle Arbeitsabläufe reduziert. Dies steigert die Effizienz und verringert die Fehleranfälligkeit, was insbesondere für Vertriebs- und Marketingteams von Vorteil ist.
- Verbesserte Wettbewerbsanalyse: Wissensgraphen ermöglichen eine detaillierte Nachverfolgung und Analyse der Produktangebote von Wettbewerbern. Diese Informationen können direkt in das PIM-System integriert werden, was Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschafft.
- Einfache Wartung und Erweiterung: Durch die Nutzung standardisierter Ontologien und Taxonomien können PIM-Systeme, die auf Wissensgraphen basieren, leichter gewartet und erweitert werden. Dies führt zu einer besseren langfristigen Nachhaltigkeit und Anpassungsfähigkeit des Systems.
Zusammengefasst bieten Wissensgraphen für PIM-Systeme eine robuste und flexible Plattform, die sowohl die Datenverwaltung als auch die Entscheidungsfindung erheblich verbessert. Sie tragen dazu bei, die Effizienz zu steigern, die Datenqualität zu sichern und Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen. Diese Vorteile machen Wissensgraphen zu einer idealen Wahl für moderne PIM-Lösungen.
Lesen Sie jetzt das Paper “Product Information Management Systems Powered by Knowledge Graphs“.
Amir Laadhar und Nikhil Acharya, Knowledge Engineers bei PANTOPIX, haben auf der ESWC 2024 in Kreta einen Vortrag dazu gehalten.
Maximilian Gärber